CD, Visible Noise Records (VÖ 26.03.2012)

Da es sich der Winter mittlerweile doch anders überlegt hat und uns mit seiner voll ausgeprägten Anwesenheit beglücken möchte (*brr*), liegt es nun an uns, eine Möglichkeit zu finden, die einem das Herz erwärmen kann. Was könnte da also gelegener kommen als ein neues Release der Engländer von Your Demise in Form von “The Golden Age”.

Your Demise - The Golden Age

Your Demise - The Golden Age

Tracklist:
01. The Golden Age
02. These Lights
03. Born A Snake
04. Push Me Under
05. Paper Trails
06. Forget About Me
07. I’m (Not) The One
08. Never A Dull Moment
09. The Colour Of Envy
10. A Decade Drifting
11. Worthless

Schon im Vorfeld wurde viel über die Band und ihren zum Teil gewandelten Stil diskutiert, der mit der vor knapp zwei Jahren erschienen Platte “The Kids We Used To Be” und dem Wechsel des Frontmanns zu Ed McRae einherging. Während daraufhin viele Leute von einer positiven Weiterentwicklung sprachen, gab es ebenfalls eine nicht geringe Anzahl an Skeptikern, die sehr an den Klassikern bis zur “Ignorance Never Dies” und der Stimme vom alten Sänger George Noble hingen. Doch was würde die neue Scheibe bringen? Ein weiterer Schritt nach vorne? Oder eher ein von alten Tugenden inspiriertes Werk?

Bereits vor einigen Wochen wurde mit “Forget About Me” ein erster Track als Video hochgeladen, der einen ersten Eindruck, in welche Richtung sich das gesamte Album bewegen würde, verschaffen sollte. Als Gastsänger wurde für den Song niemand Geringerer als David Wood (Down To Nothing, Terror) mit in’s Boot geholt. Dieser Song lässt bereits viele Tendenzen für den Rest des Albums erkennen und stellt als mittlerer Song der Gesamtspielzeit gleichzeitig meinen persönlichen Höhepunkt des Albums mit Hymnenpotential dar.

Generell geben sich aber neben David Wood auch sehr viele weitere Freunde der Band auf dem am 26.03.2012 über Visible Noise erscheinenden Album die Ehre. Des Weiteren mit dabei sind: Jason Butler (Letlive), Josh Franceschi (You Me At Six), Theo Kindynis (Last Witness), Dannika Webber (Evarose) und Ajay Jones (Brutality Will Prevail).

“The Golden Age” startet mit dem Intro, das nach dem Albumtitel benannt ist. Das obligatorische Ankündigen des Bandnamens, Albumtitels und Releasejahres darf natürlich in alter “The Kids We Used To Be” – Manier nicht fehlen (“Your Demise! Twenty Twelve. Bitch! Motherfucker – It’s The Golden Age!”). Das Tempo des Liedes ist schnell gehalten und der “Woohoo-Chorus” verleitet einen förmlich zum Mitgröhlen. Der Hörer weiß direkt, woran er ist! Nämlich an modernem, gut produzierten (Post-)Hardcore, der geradezu zur Partizipation einlädt.

Der zweite Song “These Lights” erinnert zu Beginn an den klassichen kalifornischen Surfer Punk Rock. Es folgt ein solider Pop Punk-Refrain. Solche Klänge war man von der Band in dieser Form noch nicht gewohnt, aber es passt irgendwie und klingt angenehm.

“Born A Snake” zeigt, dass Your Demise die gewohnt harte, brachiale Ader aber keineswegs verloren haben. Sie ist lediglich (zumindest quantitativ) weniger ausgeprägt. In dieses Muster lassen sich ebenfalls “Push Me Under”, “I’m (Not) The One” sowie “The Colour Of Envy” einordnen. Die Mosh-Fraktion wird somit nicht außer Acht gelassen!

Die erste richtig große Überraschung folgt allerdings mit “Paper Trails”, welcher die volle Spielzeit über ohne Geschrei auskommt und zusätzlich zum Ende hin noch mit weiblichem, cleanem “Engelsgesang” von Dannika Webber (Evarose) unterstützt wird. Webber’s Organ fügt sich nahtlos ein und lässt den Endruck einer eingespielten Melopop-Kapelle erwecken, die jahrelang nichts anderes als solche Balladen produziert hat.

Eine weitere Kategorie, die abgedeckt wird, sind die etabliert härteren Songs mit hymnenartigen Refrains. Darunter fallen unter anderem besagtes “Forget About Me” sowie “A Decade Of Drifting”. Dass diese Art von Songs funktioniert und vor allem Live zündet, haben die Briten eindrucksvoll mit dem Vorgängeralbum und ihren diversen Shows auf dem ganzen Globus unter Beweis gestellt.

Man kann also zusammenfassend festhalten, dass Your Demise nach 2010 mit dem neuen Release “The Golden Age” einen weiteren Schritt in die “softere” Richtung gewagt und sich immer mehr von ihren Wurzeln entfernt haben. Dies ist aber keinesfalls als schlecht zu verzeichnen, wenn man offen für Neues ist. Es ist vielmehr ein Zeichen für die Vielseitigkeit der einzelnen Bandmitglieder. Sicherlich sind solche vakanten Stilwechsel immer schwer zu bewerten, aber eine Weiterentwicklung im Sinne der Band fällt doch oftmals positiver aus, als dauernd ein Remake von alten Alben nach dem anderen zu produzieren.

FAZIT: Alles in allem ist “The Golden Age” mit seinen elf Songs ein sehr solides Album, das der Band wohl die nächste Stufe Richtung unumstrittener “Headlinerliga” ebnen wird. Ihr Songwriting weiß weiterhin zu überzeigen und hat sich sogar stellenweise verbessert. Den Vorgänger “The Kids We Used To Be” kann es meiner Meinung nach aber nicht ganz übertrumpfen, was allerdings nicht weiter tragisch ist. Musik polarisiert nunmal und kann niemals die Bedürfnisse aller stillen.

Written by: Mark Chadha

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