
Seed Of Pain - Blindfolded & Doomed · 17.05.10
CD, Cobra Records
Screams in the beginning and cold ashes in the end. What we have to manage is the in-between. Lives some day they’re like presents – lives where we were just thrown in – lives without knowing where we belong….
Tracklist:
01. Nur Zwei Dinge
02. Blind Masses
03. Meritocracy
04. By Mistake
05. Blindfolded
06. Boomed
07. Nosce Te Ipsum
08. Expistence
09. Dependency
10. Doomed (RMX Flea and Fur)
11. Doomed (RMX Remix 204)
12. 10:10
Zugegebenermassen waren Seed Of Pain bisher nie so ganz meine Baustelle. Es gibt einfach Bands, mit denen man einfach nicht so richtig warm werden kann. Sorry. Dennoch möchte ich versuchen, diese CD nun objektiv zu bewerten und meinen eigenen, persönlichen Geschmack aussen vor zu lassen. Als Erstes mal ein paar Worte zur Band selbst. Seed Of Pain stammen aus Luzern in der Schweiz und bestehen aus vier jungen Männern, die sich hier im grossen Spielfeld der progressiven Klänge austoben. Ich schreibe hier bewusst nicht Hardcore. Eines kann man den Jungs sicher nicht vorwerfen, nämlich dass sie langweiligen Sound machen würden. Die 12 Songs sind unglaublich vielschichtig und decken ein grosses Spektrum an verschiedenartigsten Einflüssen (von Doom über Hardcore bis zum New Wave) ab. Man merkt auch deutlich, dass sie sich selbst keine Grenzen setzen, sondern einfach den Fluss der sich ergibt nutzen, um ihn zuende zu denken und musikalisch auszuleben. Aber genau diese Tatsache ist es dann eben auch, die dem ein oder anderen Kopfzerbrechen und Probleme bereiten kann, da sich das Ganze im Endeffekt halt doch ziemlich verspielt und kompliziert anhört. Für den schnellen Konsum ist der Silberling daher sicher nicht geeignet. Hardcore ist das eigentlich auch keiner mehr, diverse Passagen lassen diesen Gedanken vielleicht wieder hochkommen, aber im Grossen und Ganzen erwartet einen einfach klischeefreier Sound, der an Indivualität kaum zu überbieten ist. Somit kann man ihnen sicher nicht vorwerfen, sie würden irgendeinem angesagten Trend hinterherhecheln. Dennoch wird man als Hörer wirklich gefordert. Wer unter Hardcore schnelle, laute und harte Musik mit Core versteht, der wird hier ziemlich im Dunkeln tappen. Nach dem Pressen der Playtaste startet der Silberling mit einem gesprochenen, deutschsprachigen Gedicht von Gottfried Ben. Wo Hardcore draufsteht, ist auch Hardcore drin? Im Normalfall mag das vielleicht so ein, aber Seed Of Pain bewegen sich abseits des Normalzustandes. Das muss man als Hörer erstmal verdauen. Und dafür wird ein Hördurchgang bei Weitem nicht ausreichen. Was die Texte betrifft ist die Kategorisierung Hardcore durchaus angebracht. An der Spielzeit von über einer Stunde für 12 Songs erkennt man aber dann deutlich, dass dieses Werk viel langatmiger ist als das, was man ansonsten landläufig unter Hardcore versteht. Schuld an der Spielzeit ist vor allem auch der letzte Track, der deutliche Anflüge aus der dunklen Industrialszene besitzt und mit einer satten Spielzeit von 10 Minuten aufwartet.
FAZIT: Die Songs der vier Eidgenossen sind demnach eher schleppend, kopflastig und in die Kategorie “schwerverdaulich” einzuordnen. Obwohl es auch immer wieder wütende und aggressive Ausbrüche zu verzeichnen gibt. Das hier sind also keine Klänge, zu denen man seine Muskeln spielen lassen kann, sondern eher einen Sound, bei dem man seinen Kopf einschalten muss. Letzten Endes ist “Blindfolded & Dommed” ganz bestimmt ein wirklich sehr durchdachtes, hochgeistiges und künstlerisch wertvolles Werk, das aus der grossen Masse rausstechen kann, sich aber nur für Konsumenten eignet, die Geduld haben und mit musikalischen Experimenten umzugehen wissen.
I struggle with myself – I struggle with my life!

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